Papier schöpfen
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Schon vor 2000 Jahren wurde Papier in China von Hand geschöpft. Noch vor 200 Jahren stellte man Papier ausschließlich aus Lumpen her, die damals äußerst begehrte Rohstoffe waren. In vielen Städten war es per Gesetz verboten, die Gestorbenen mit einem Totenhemd zu bestatten - den Stoff brauchte man dringlicher zur Papierherstellung. Heutzutage ist die Rohstoffbeschaffung kein Problem mehr, Papier ist zum Luxusartikel geworden. Über Papier gibt es viel Faszinierendes zu berichten. Aber auch das Herstellen, das „Schöpfen" von Papier ist eine faszinierende Angelegenheit. Wenn Sie selbst Papier herstellen wollen, dann finden Sie auf dieser Seite Angaben über das nötige Material, eine Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte und einige Informationen zum Thema Papier.

Die Ausrüstung

Material zum Papierschöpfen 30 KSchöpf-und Formenrahmen sind gleich groß und bestehen aus jeweils vier mit wasserfestem Klebstoff zusammengesetzten Holzleisten. Das Innenformat dieser Rahmen entspricht dem Format der geschöpften Papiere. Will man beispielsweise Papiere im Format Din A4 schöpfen. so benötigt man zwei Rahmen mit dem Innenformat von jeweils 21,0 x 29,7 cm. Auf den Schöpfrahmen wird ein Metallnetz (Fliegengitter) aufgetackert oder aufgenagelt. Als Bütte dient eine Kunststoffwanne, die mindestens dreißig Zentimeter hoch und in Länge und Breite mindestens 5 cm größer als das Außenmaß der Rahmen sein sollte. Filze entwässern das Blatt beim Pressen. Sie sollten einige Zentimeter größer als das zu schöpfende Papier sein (für Din A4 ungefähr 32,0 x 23,0 cm). Anstatt spezieller Papiermacherfilze können auch dicke Tücher verwendet werden. Gepreßt wird mit vier Schraubzwingen zwischen zwei soliden Tischlerplatten (Stärke Minimum 20 mm). Auch diese Platten sind etwas größer als das Papier. Außerdem brauchen Sie ein verschließbares Marmeladenglas, Windeleinlagen (Viskosetücher), ein Haushaltstuch, Wäscheklammern und - falls Schnelltrocknung gewünscht ist - ein Bügeleisen und Baumwolltücher.

Das Material

Als Rohmaterial für Recycling-Papiere dient Altpapier, für "neues" Papier verwendet man speziellen Zellstoff. Dieser Rohstoff wird in einem Eimer mit Wasser eingeweicht und später mit einem Haushaltsmixer zerkleinert.

 

Schritt für Schritt

Schritt 1Für die ersten Versuche im Papierschöpfen verwenden Sie am besten Altpapier als Rohstoff (z. B Zeitungen). Reißen Sie 400 Gramm in etwa 5 cm breite Streifen und weichen diese mehrere Stunden, am besten über Nacht, in Wasser ein. Diese Masse wird im Mixer zerkleinert. Kontrollieren Sie nach ein- bis zweiminütigem Mixen den Zerkleinerungsgrad auf folgende Weise: Das Marmeladenglas wird mit wenig gemixtem Faserbrei und viel Wasser gefüllt, verschlossen, kräftig geschüttelt und dann gegen das Licht gehalten. Schwimmen wolkenartige Faserknäuel im Glas, so muß weiterzerkleinert werden. Der Faserbrei ist gebrauchsfertig, wenn in der Durchsicht keine Knäuel mehr zu sehen sind. Der Brei wird nun in die Bütte gegeben und mit viel Wasser vermischt. Das Mischungsverhältnis von Wasser und Faserbrei bestimmt die Dicke des zu schöpfenden Papiers: geringer Wasseranteil - dickes Papier; hoher Wasseranteil - dünnes Papier. Vor dem eigentlichen Schöpfen wird die Mischung in der Bütte mit beiden Händen gut durchgerührt.


Abnehmen des Formenrahmens 10 K Schritt 2 Legen Sie jetzt den Formenrahmen bündig auf die Siebseite des Schöpfrahmens und drücken Sie beide Rahmen fest aneinander. Die Rahmen werden senkrecht in die Mischung eingetaucht, unter der Oberfläche in die Waagrechte gebracht und langsam nach oben aus der Mischung genommen. Lassen Sie das überschüssige Wasser in die Bütte zurücktropfen. Auf dem Sieb verbleibt ein feuchtes Fasergemisch: das Papier. Je vorsichtiger nach dem Abtropfen der Formenrahmen hochgenommen und zur Seite gelegt wird, desto regelmäßiger wird der typische "Büttenrand" des Papiers. Vom Formenrahmen sollten keine Wassertropfen auf das Papier fallen, da diese ungleichmäßige Flecken erzeugen.



Gautschen 9 K Schritt 3 Im nächsten Arbeitsgang wird das Papier vom Sieb auf den Filz bzw. das Viskosetuch übertragen - in der Fachsprache heißt dieser Vorgang "Gautschen" Legen Sie hierzu einen eingeweichten Filz auf ein Brett und darauf ein Viskosetuch. Der senkrecht gehaltene Schöpfrahmen wird an einer Kante des Tuches angelegt und auf das Tuch heruntergeklappt. Das Papier hat nun ganzflächig Kontakt mit dem Viskosetuch. Saugen Sie Wasser aus dem Papier, indem Sie ein Haushaltstuch auf der ganzen Siebfläche andrücken. Jetzt können Sie den Formenrahmen hochklappen und zur Seite legen. Das auf dem Tuch verbleibende Papier wird mit einem nassen Filz und einem Brett bedeckt.



Pressen 10 K Schritt 4An den vier Ecken der Bretter werden nun die Schraubzwingen angesetzt und möglichst stark angezogen. Wenn kein Wasser mehr austritt, werden die Zwingen wieder geöffnet und die Bretter und der obere Filz entfernt. Ziehen Sie das Tuch mit dem anhaftenden Papier vom unteren Filz ab und hängen Sie Tuch und Papier mit zwei Wäscheklammern an einer Leine auf. Nach einer eintägigen Trocknungszeit läßt sich das fertige Papier vom Viskosetuch abziehen. Sollte das Papier nicht plan genug sein, so pressen Sie es ein paar Stunden mit Hilfe einiger schwerer Bücher.




 

Wissenswertes über Papier

Reißt man ein Blatt Papier auseinander und betrachtet den Riß unter dem Mikroskop, so sieht man, daß Papier aus ineinander verfilzten Fasern besteht. Diese Fasern werden heutzutage meistens aus Holz gewonnen, indem die Baumstämme entweder durch riesige Schleifmaschinen oder mit ätzender Lauge zu Fasern zerkleinert werden. Papier aus geschliffenen Fasern (Holzschliff) vergilbt und ist nicht sehr reißfest. Papier aus gelaugten Fasern (Zellstoff) ist von besserer Qualität; es wird „holzfrei" genannt. Je länger die Fasern, desto besser die Qualität des geschöpften Papiers. Deshalb lassen sich aus den langfasrigen Pflanzen wie Baumwolle (Linters), Hanf, Flachs usw. Besonders gute Papiere schöpfen. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurden alle Papiere aus diesen Fasern hergestellt. Rohstofflieferanten der alten Papiermühlen waren die Lumpensammler. Die alten Büttenpapiere sind deshalb Vorgänger der modernen, aus Altpapier hergestellten Recycling - Papiere.
Die Holz- oder Pflanzenfasern werden mit Wasser vermengt und in eine Wanne ("Bütte") gebracht. Taucht man einem mit einem Sieb bespannten Rahmen in die Bütte und nimmt ihn wieder heraus, so bleiben auf dem Sieb die verfilzten Fasern als Papier übrig. Diese werden gepreßt und getrocknet. In der modernen Papierfabrikation werden dem Faser-Wasser-Gemisch zusätzliche Leim-, Glätt und Füllstoffe beigegeben. Wasserzeichen sind hellere Stellen im Papier, die durch ein zusätzliches Drahtgebilde auf dem Schöpfsieb entstehen. Solche Wasserzeichen kann man mit einiger Erfahrung selbst herstellen.
Papier wird über sein Gewicht pro Quadratmeter gekennzeichnet. Schreibmaschinenpapier wiegt zwischen 60 und 80 g/qm, Fotokarton zwischen 160 und 400 g/qm, Pappe 1000 g/qm und mehr.
Gab es früher sehr viel verschiedene Papierformate, so wurden diese Formate in moderner Zeit standardisiert. Sehr verbreitet ist das DIN-A-Format. DIN A0 ist exakt ein Quadratmeter groß (84,1 x 118,9 cm). Durch Halbieren ergibt sich DIN A1, durch erneutes Halbieren DIN A2 usw. DIN A 4 ist 21,0 x 29,7 cm groß.