Tagebuch eines Buchbindekurses

Montag, 1. Tag
Nach dem "Ankommen" - eintrudeln, sich bei einer Tasse Kaffe/Tee begrüßen, Arbeitsplatz aussuchen, Arbeitskittel anziehen - greift die ganze Gruppe zu Cutter und Lineal, zu Faden und Nadel. Es entstehen Hefte mit Kartonumschlag, in rechteckigen und dreieckigen Formen, geheftet in verschiedenen Sticharten. Ein Person kocht Stärkekleister, der zum Anfertigen von Kleisterpapieren benötigt wird. Zwei Teilnehmer wagen sich an den Buttonholestitch, ein Buchbindetypus, der ganz ohne Klebstoff auskommt und am Buchrücken den Fadenverlauf sichtbar macht. Die ersten Arbeiten an DIN A 4 - großen Skizzenbüchern beginnen: Das Papier wird auf doppelte Seitengröße zugeschnitten, gefaltet und zu Lagen ineinandergesteckt. Die Vorsatzlagen werden geklebt und verstärkt. Schließlich werden die Buchlagen (über Nacht) eingepresst. Nach dem Abdecken der Tische mit Makulatur werden große Papierbögen mit Kleister und Farbe bepinselt und dann mit allerlei Gerät bearbeitet: Pappstreifen und -kamm, Pinselstil und Fingerabdrücke erzeugen Kleisterpapiere, die zum Bekleben der - noch anzufertigenden - Bücher, Mappen, Fotoalben und Schachteln gedacht sind. Ganz zum Schluß werden noch trockene Kleisterpapierstücke auf Heftumschläge geklebt.

Dienstag, 2. Tag
Die Lagen werden aus der Presse genommen und geheftet: mit gewachstem Leinenfaden werden die einzelnen Lagen zu einem Buchblock zusammengefügt. Ein Kursteilnehmerin hatte schon am ersten Tag eine mehrbändige Reihe von Kunstbüchern zerlegt, geflickt und zum Heften gerichtet; sie wird den ganzen Dienstag mit dem Heften ihrer sechs Bücher beschäftigt sein. Die andern arbeiten an den Buchblocks weiter. Zwei Teilnehmerinnen erhitzen Wachs im Schmelzgerät und gestalten farbintensive Wachsbatikpapiere. Die andern schneiden die Pappteile für Schachteln zu und setzen die Schachteln mit Klebstoff zusammen. Bis Kursende am Freitag entstehen Schachteln mit Scharnierdeckel und Stülpdeckel und eine Schachtel mit Hals. Der "Schleimgrund" fürs Marmorieren wird angesetzt.

Mittwoch, 3. Tag
Marmorieren. Der Schleimgrund wird in flache Wannen gefüllt, Papiere im Format 35 x 50 cm werden mit Alaunlösung bestrichen, Farbe mit Ochsengalle versetzt. Die Farben werden auf den Grund getropft, sie breiten sich aus, werden mit Stöckchen und Kämmen verzogen. Papier wird aufgelegt, die Farbmuster übertragen sich, das Papier wird mit Wasser abgespült und zum Trocknen aufgehängt. Es entstehen Stein- und Kammuster, Bouquet- und Pfauenmuster. Zwei Kursteilnehmer probieren die Suminagashi - Technik aus, die japanische Art des Marmorierens. Unmöglich, all diese Marmorpapiere im Kurs zu verarbeiten. Um sie sicher nach Hause bringen zu können, werden große Mappen angefertigt: Zusammenhängen der Pappen mit farbigem Buchbinderleinen, Verstärken der Ecken, Bekleben der Außenseiten mit Elefantenhaut, Durchziehen von Stoffbändern und Gegenkleben der Innenseiten.

Donnerstag, 4. Tag
Abhängen, Begutachten und Pressen der Marmorpapiere. Der Rest des Morgens wird verwendet zum Anbringen von Grafitschnitt, Lesezeichen und Kapitalband. Nachmittags Anfertigen der Buchdeckel, jeder Teilnehmer wählt eien andere Variante: Buchrücken mit Gewebe, Deckel mit Marmorpapieren bezogen (Halbgewebeband), Deckel ganz mit Batikpapier bzw. Leinen bezogen (Pappband bzw. Ganzgewebeband), Rücken mit Leder bezogen (Halblederband). Ein Teilnehmer beginnt ein Fotoalbum aus schwarzem Karton, vier Zentimeter stark ist und mit Buchschraubengebunden wird .Jeder arbeitet für sich und stellt seine Bücher, Mappen, Fotoalben und Schachteln fertig.